Überzeichnete Lehrtafeln

 

 

...."Eine ganz andere Bildwelt betritt man mit den "Schautafeln" von 2014. An ihnen wird besonders deutlich, wie sehr die Wahl der künstlerischen Mittel bei Brigitte Heintze von den spezifischen Eigenschaften ihrer Bildträger bestimmt wird. Mit Ölfarbe und Graphit ausgeführt, nähern sich diese Arbeiten ungewöhnlich stark der Malerei an. Als Bildträger dienen aussortierte, weil veraltete Schautafeln für den Schulunterricht, darunter Landkarten, Lehrmaterial zum Thema Papierherstellung und Schaubilder zum Leben zum Leben unserer Vorfahren. Als besondere Herausforderung erweisen sich einige Tafeln vom Ende der 1930ger-Jahre, die unterschwellig von der völkischen Ideologie jener Jahre durchdrungen sind.

Da sie die bedrückende Geisteshaltung dieser Bilder nicht kaschieren und erst recht nicht stehenlassen wollte, entschied sich Brigitte Heintze dafür, sie durch Verfremdung zu kommentieren. So werden aus der Pfahlbauerfamilie mittels Übermalung gesichtslose Wesen, die von hinterrücks sich heranschlängelnden undefinierten Formen heimgesucht werden. Hirten, Hund und Schafherde der "Lüneburger Heide" hat die Künstlerin dermaßen mit Graphit überlagert, dass sie zur dunklen Geistererscheinung in einer entleerten fahlen Steppe werden. Die deutlichste Sprache spricht das Bild "Eisenzeit", wo sich mit dem feuerrot gefärbten Boden im Vordergrund und den Bränden am Horizont ein Schreckensszenario andeutet. Mit schweren Graphitschichten überdeckt, verwandelt sich der Völkerwanderungszug im Mittelgrund unversehens in die Vorahnung kommender Flüchtlingsströme. ...."

 

Auszug aus dem Text von Dr. Peter Lodermeyer zum Katalog "Fremde Blicke" von Brigitte Heintze